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Weibsbilder Holzskulpturen
„Weibsbilder"
macht Charlott Szukala derzeit im Schloss Neuenbürg
vor dem Haupteingang. Noch sind sie in sechs bis sieben
Kirschholzstämmen verborgen. Doch die Kettensäge enthüllt
nach und nach ihre Formen. Meist scheinen es fröhliche
Frauen zu sein, selbst wenn sie mühselig und beladen
sind. Die dünne junge Künstlerin (sie ist 1977 geboren)
fördert mit ihrem schweren, unhandlichen Gerät ungeahnt
filigrane Gestalten zutage. „Manchmal ist sogar ein
Mann dabei", verrät sie. Aber meistens sind es
halt doch Frauen. Das Zusehen macht Laune - da fliegen
die Späne, es duftet nach frischem Holz, und auf einmal
hat der Baumstamm eine Taille, ein Bein und einen Arm,
der nach oben zeigt. Verblüffend.
„Je
gleichförmiger der Stamm ist, umso mehr muss ich denken",
sagt Charlott Szuka la. „Sonst kann ich schon im Holz
einen Arm sehen, eine Haltung erkennen, einen Kopf."
Am Sonntag, als sie ihre ersten beiden Stämme bearbeitete,
übrigens ausnahmsweise im Schlossgarten, musste sie
viel denken, vor zeichnen und planen; die Stämme waren
formvollendet, glatt und ebenmäßig. Museumsleiterin
Elke Osterloh und Mitglieder des Förderkreises „Kultur
im Schloss" verfolg ten das Werden des ersten Weibsbildes
mit Spannung.
Charlott
Szukala ist in Neuenbürg keine gänzlich Unbekannte.
Vor vier Jahren schon hatte sie am Bildhauersymposium
im Schlossgarten teilgenommen, bei dem eben falls Künstler
bei der Arbeit beobachtet und Fragen gestellt werden
konnten. Auch dies mal lockte der Kettensägelärm Zuschauer
an. Eine Dame schaute einer ihrer bereits fertigen und
ausgestellten Geschlechtsgenossinnen interessiert ins
Gesicht. Einer anderen streichelte sie schwesterlich
übers Hinterhaupt.
Abgesehen
davon, der Entstehung des neu en Weibsbildes zuzusehen,
war auch die Beobachtung der Passanten amüsant. Da gab
es die Interessierten, Fragenden, die stehen blieben
und schauten. Aber es gab auch andere; zwei Väter mit
insgesamt fünf Kindern beispielsweise, die ihre Sprösslinge,
die viel leicht gern geguckt hätten, was sich da tat,
zügig weiterzerrten: Bloß kein Blick nach links, und
schau nicht zurück, sondern auf Deinen Weg!
Zum
ersten Mal, verriet Charlott Szukala, will sie im Jubiläumsjahr
des Neuenbürger Schlosses nach Plan arbeiten. Da im
Museum Hauffs Märchen „Das kalte Herz" ein Mittel
punkt ist, überlegte sie sich, was sie selbst zu einem
Märchen beitragen könnte. Eingefallen ist ihr ein chinesisches,
bei dem ein Mensch in eine Schnecke verwandelt wurde.
Sie selbst will für eine Rückverwandlung sorgen; von
der Schnecke zur Frau, der schließlich Flügel wachsen
und die irgendwann zum Vogel wird - eine reizvolle Metamorphose.
Der Künstlerin bei ihrer knatternden Arbeit über die
Schulter und auf die Säge zu schauen, ist noch bis einschließlich
Donnerstag möglich. Christiane Viehweg Pforzheimer
Kurier
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